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Grenzenlose Mobilität - Grenzenlose Ausbeutung

[21-06-2016]
Ein Blick hinter die Kulissen des liberalisierten Europäischen Verkehrsmarkts enthüllt einen europaweiten Abwärtstrend bei Sozial- und Arbeitsstandards. Die Europäische Bürgerinitiative Fair Transport Europe fordert mehr Gerechtigkeit für diejenigen, die Europa bewegen.
Präsentationen | Verkehr & Umwelt

Der Liberalisierung des Verkehrsmarkts in Europa wird seit Jahrzehnten hohe Priorität eingeräumt. Mit Entschlossenheit hat die Europäische Verkehrspolitik die Abschaffung technischer, administrativer oder ordnungspolitischer Hürden vorangetrieben. Die unbeschränkte Mobilität von Gütern und Menschen wird als eines der zentralen Instrumente zur Binnenmarktintegration und für mehr Wachstum gedeutet. Jedoch ging der Liberalisierungsprozess keineswegs mit einer Harmonisierung der Beschäftigungs- und Sozialstandards einher. Im Gegenteil: Die Entwicklungen in der Transportwirtschaft sind ein bitteres Beispiel dafür, welche Konsequenzen uneingeschränkter Wettbewerb und eine fehlende soziale Integration für die betroffenen ArbeitnehmerInnen nach sich ziehen kann.

Der Wettbewerb um Marktsegmente findet vornehmlich über Preis- und weniger über Qualitätskriterien statt. Als arbeitsintensive Dienstleistung stellen Löhne einen wesentlichen Kosten- und Preisbildungsfaktor dar. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wurden Kostensenkungen vielfach zu Ungunsten der Beschäftigten und ihrer fairen Lohn- und Arbeitsbedingungen erreicht. Jedenfalls ist im Verkehrssektor ein mitunter dramatischer Abwärtstrend für die Beschäftigten festzustellen, wie diese Broschüre anschaulich zeigt. Neben den Nachteilen für die Beschäftigten sind mit der Absenkung der Sozialstandards langfristig auch die Qualität und die Sicherheit der zu erbringenden Verkehrsdienstleistungen gefährdet.

Für alle Beschäftigten der Transportbranche gilt: die Arbeitsverdichtung hat zugenommen. Die Arbeitsverhältnisse sind diverser und tendenziell schlechter abgesichert. Nicht allen ergeht es so wie den LKW-FahrerInnen, die tagelang auf Europas Straßen zu miserablem Lohn, überlangen Arbeitszeiten, ohne Krankenversicherung und Dach über dem Kopf – außer jenem des LKWs – unterwegs sind. Damit das traurige Beispiel der LKW-FahrerInnen nicht zum Vorbild für andere Berufe wird, wurde die Initiative Fair Transport Europe der europäischen Verkehrsgewerkschaften ins Leben gerufen. Neben allgemeinen – und für alle grenzüberschreitend tätigen ArbeitnehmerInnen in Europa wichtigen – Vorschlägen zur Gewährung fairer Löhne und Arbeitsbedingungen sowie zur Bekämpfung des Sozialdumpings, bringt die Initiative auch ganz konkrete Maßnahmen für die einzelnen Sektoren der Verkehrswirtschaft in die Debatte ein. Die Herausforderungen der Durchsetzung und Umsetzung sind groß, aber unerlässlich anzugehen, um die europäische Verkehrswirtschaft ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig zu gestalten und sichere, gesunde und würdige Beschäftigungsbedingungen zu gewährleisten.

Weiterführende Informationen auch unter: https://www.fairtransporteurope.de« Zurück

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AK Wien
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