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Reformen kann man jetzt auch messen – das Reformbarometer 2016

Wo gibt es Reformbedarf, was wird getan um diesem nachzukommen und inwiefern schaffen diese Aktivitäten tatsächliche Verbesserungen? Genau das will das so genannte Reformbarometer 2016 klären, welches von der Bertelsmann Stiftung entwickelt und Anfang März in Brüssel vorgestellt wurde.

Das Reformbarometer misst damit die Reformbemühungen der einzelnen Länder entlang von fünf Faktoren des so genannten Social Inclusion Monitors: Armutsvermeidung, Zugang zu sozialgerechter Bildung, Zugang zum Arbeitsmarkt, sozialen Zusammenhalt und Nichtdiskriminierung, und Gesundheit. Es stellt dabei ein neues Instrument dar, das versucht, der statischen Betrachtung des Social Justice Index eine dynamische Komponente hinzuzufügen.

In all diesen Bereichen wurde auf Basis von über 1000 quantitativen ExpertInnenbefragungen erhoben, wie groß der bestehende Reformbedarf eingeschätzt wird, wie aktiv die jeweiligen Mitgliedsstaaten Reformen in diesem Bereich durchführen, und in welche Richtung diese gehen. Das Reformbarometer schafft damit die Basis für die aggregierte Betrachtung all dieser unterschiedlichen Bereiche und macht Vergleiche innerhalb der EU möglich. So ist es nicht nur möglich, sinnvolle Reformen abzubilden, sondern auch – wie im Fall Griechenland – auf die teils katastrophalen Folgen einer falschen, austeritätsgetriebenen Reformpolitik hinzuweisen. Ziel der Studie ist es, eine faktenbasierte Diskussionsgrundlage zu bieten, um so die soziale Inklusivität der Union als Ganzes zu stärken.


Österreich schneidet in dem EU-weiten Ranking des Barometers insgesamt recht gut ab und wird auf Platz 9 gereiht. Besonders großer Reformbedarf wird aber im Bildungsbereich identifiziert, um soziale (Aufwärts-)Mobilität zu fördern, das heißt: Kindern neben formal gleichen Zugangsberechtigungen zum Bildungssystem auch tatsächliche Bildungschancen zu ermöglichen, die von ihrem sozioökonomischen Status unabhängig sind.

Hier bestätigt sich einmal mehr die von der Arbeiterkammer seit langem konstatierte überdurchschnittliche Bildungsvererbung im österreichischen Schulsystem, welche sich umso stärker auswirkt, je höher man sich auf der Bildungsleiter befindet. Dies führt dazu, dass selbst im 21. Jahrhundert kaum Töchter oder Söhne aus ArbeiterInnenfamilien auf österreichischen Unis zu finden sind. Diejenigen, die es schaffen, haben mit ganz speziellen Problemlagen, nicht nur finanzieller Natur, zu kämpfen, auf die an den Unis nur sehr wenig Rücksicht genommen wird. Studienbeschränkungen via „Studienorientierungs- und Eingangsphasen“ haben diesen Trend außerdem weiter verstärkt, wie eine Studie der AK zeigt.

Neuere Untersuchungen belegen, dass die Segmentierung der Bildungschancen durch die Digitalisierung noch einmal zunehmen könnte. Der so genannte „Digital Divide“ zeigt sich nicht nur zwischen den Altersgruppen, sondern schon jetzt ganz klar nach Schultypen. Ideen, wie dieser Gap zu schließen wäre, umfassen beispielsweise die Schaffung einer Finanzierungsbasis für qualitätsvolle freie Bildungsressourcen (OER) im Rahmen der Schulbuchaktion.

Weiterführende Informationen:

Kurzfassung der Studie

Langform der Studie (in Englisch)

EK: Mitteilung zur Verbesserung und Modernisierung der Bildung

Soziale Selektion im Hochschulsystem

Social Inclusion Monitor Europe

Studierendensozialerhebung 2015

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