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ZurückDie Klimakrise und die damit einhergehende Erderwärmung wirken sich gravierend auf Arbeitnehmer:innen aus. Höhere Tagestemperaturen und häufigere Hitzewellen führen vermehrt zu Unfällen und Verletzungen am Arbeitsplatz und können chronische Erkrankungen auslösen. Im schlimmsten Fall enden sie tödlich. Dieses Thema stand im Zentrum einer Konferenz, die am 28. April 2026 im Rahmen des Gedenktags an die Opfer von Arbeitsunfällen von EGI und EGB organisiert wurde.
Weltweit sind laut Schätzungen der ILO jährlich mindestens 2,41 Milliarden Arbeitnehmer:innen, das sind über 70% der erwerbstätigen Bevölkerung, exzessiver Hitze am Arbeitsplatz ausgesetzt. Pro Jahr werden etwa 22,85 Millionen Verletzungen und beinahe 19.000 Todesfälle durch Hitze verzeichnet, wobei die tatsächlichen Zahlen vermutlich deutlich höher liegen.
Hitze am Arbeitsplatz in der EU
In Europa steigt die Hitzebelastung am Arbeitsplatz besonders schnell, eine:r von fünf Arbeitnehmer:innen in der EU ist extremer Hitze in der Arbeit ausgesetzt. Betroffene Sektoren sind insbesondere die Landwirtschaft, der Bausektor, die Industrie und das Transportwesen. Zwei bis drei Monate pro Jahr in Hitze zu arbeiten, erhöht nachweislich das Risiko für bestimmte Krankheiten und langfristige Gesundheitsfolgen. Neben akuten Gesundheitsgefahren wie Schwindel, Hitzeschlag oder Unfällen kann extreme Hitze auch langfristige Krankheiten wie Nierenerkrankungen hervorrufen und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Die Situation verschärft sich insbesondere in Mittel- und Nordeuropa rapide, wo die Zahl hitzebedingter Todesfälle am Arbeitsplatz in den vergangenen 20 Jahren um mehr als 50 % gestiegen ist. In einer Studie aus dem Jahr 2020 wurde festgestellt, dass das Gesamtrisiko für Arbeitsunfälle an Tagen mit Temperaturen von 30 bis 33 °C um 5 bis 7% höher ist als an Tagen mit Temperaturen um die 15,6 °C. Wenn die Temperatur 38°C übersteigt, erhöht dies das Gesamtrisiko für Unfälle um 10 bis 15%.
EGB – EGI Konferenz zu Klimawandel und Gesundheit von Arbeitnehmer:innen
Im Rahmen der Konferenz zum Schutz der Arbeitnehmer:innen vor berufsbedingter Hitze von EGB und EGI schilderte Andreas Flouris, (Universität Thessaly), dass sich die Auswirkungen von Hitze oft erst verzögert zeigen. Auch treten hitzebedingte Probleme in Ländern mit ausgeprägten Jahreszeiten verstärkt zu Beginn der warmen Periode – also etwa im Juni – auf. 8 von 10 Fällen arbeitsbedingter Verletzungen fallen in Zeiten heißer Tage, die nicht explizit als Hitzetage deklariert sind. Verständnis und Aufmerksamkeit hinsichtlich der Gefahren von Hitze muss also über den Fokus auf Hitzewellen hinaus gehen und berücksichtigen, dass das Risiko zu Beginn der Hitzesaison viel größer ist. Darüber hinaus müssen auch die Auswirkungen weiterer klimakrisebedingt zunehmender Risiken für Arbeitnehmer:innen stärker berücksichtigt werden, etwa UV-Strahlung, Brände, Hochwasser und Stürme.
EGB-Generalsekretärin Esther Lynch wies darauf hin, dass Hitze vermehrt zu Unfällen am Arbeitsplatz führt, Hitzewellen jedoch vorhersehbar seien und ihre negativen Auswirkungen durch richtige Vorbereitung abgefangen werden könnten. Es müsse orts- und tätigkeitsspezifisch angepasste, klare Temperaturlimits an Arbeitsplätzen sowie klare Strategien für extreme Wetterereignisse geben. Arbeitnehmer:innen müsse adäquate Arbeitskleidung zur Verfügung gestellt werden und es bedürfe Sanitäranlagen, um die Trinkwasserversorgung zu gewährleisten. Laut Lynch müssen diese Aspekte in den Quality Jobs Act einbezogen werden, wie auch die AK in ihrem Positionspapier anregt.
Ausdrücklich fordert der EGB die Europäische Kommission dazu auf, eine eigene Richtlinie zur Prävention von Hitzebelastungen am Arbeitsplatz zu erlassen. Diese soll unter anderem Höchsttemperaturen auf Arbeitsplätzen festlegen und Abeitgeber:innen dazu verpflichten, Hitzegefahrenbewertungen durchzuführen und dabei Frühindikatoren wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit einzubeziehen. Außerdem sollten sich die Risikobewertungen an weltweit anerkannten Standards orientieren. Die Definition von Hitzestress sollte dabei der Stellungnahme des beratenden Ausschusses für Sicherheit und Gesundheitsschutz (ACSH) folgen. Einheitlicher Schutz muss gewährleistet werden, denn die bestehenden unverbindlichen Leitlinien reichen angesichts der sich verschlechternden Lage nicht aus.
Verbesserter Hitzeschutz auch in Österreich notwendig
In Österreich trat mit 1. Jänner 2026 die Hitzeschutzverordnung in Kraft, um Arbeitnehmer:innen vor vermehrt auftretenden extremen Hitzetagen und Hitzestress zu schützen. Ab einer Hitzewarnung der Stufe 2 (30 Grad gefühlte Temperatur) müssen Arbeitgeber:innen bei Arbeiten im Freien – beispielsweise auf Baustellen, bei Zustelldiensten oder in der Abfallbehandlung – Maßnahmen zur Gefahrenvermeidung ergreifen. Aus Sicht der AK fehlen jedoch verbindliche Temperaturobergrenzen für Arbeitsplätze in Innenräumen. Weiters sind zusätzliche Schutzmaßnahmen an Hitzetagen wie ein Überstundenverbot, zusätzliche Pausen in systemrelevanten Berufen und ein Arbeitszurückhaltungsrecht bei Missachtung von Schutzvorschriften notwendig.
Für Beschäftigte am Bau existiert mit dem Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetz (BSchEG) eine Sonderregelung, wonach sie ab einer Temperatur von über 32,5 Grad im Schatten hitzefrei bekommen können und ihnen 60% des Stundenlohns der entfallenen Arbeitszeit gebührt. Die von der AK mitentwickelte Hitze-App warnt Bauarbeiter:innen rechtzeitig, wenn die kritische Temperatur erreicht ist. Problematisch ist jedoch, dass bislang ein Rechtsanspruch fehlt und Arbeitgeber:innen im Jahr 2024 nur in 10% der Fälle Hitzefreistellung gewährten.
Weiterführende Informationen
AK EUROPA: Soziale Frage im Fokus. Warum gerade jetzt ein sozial gerechter Übergang gestärkt werden muss
AK EUROPA: Europa ist auf unvermeidbare Klimakatastrophen nicht genügend vorbereitet
Arbeiterkammer: Arbeiten bei Hitze
Gesunde Arbeit: Arbeit im Wandel. Zeit für nächste Schritte im Arbeitnehmer:innenschutz
ILO Global Report: Ensuring safety and health at work in a changing climate (Nur Englisch)
ILO Global Review of the science, policy and practice: Heat at work: Implications for safety and health (Nur Englisch)
ETUI Report: Heatwaves as an occupational hazard: The impact of heat and heat waves on workers’ health, safety and wellbeing and on social inequalities (Nur Englisch)
Social Europe: Will the European Union Protect Workers from Deadly Heat? Current legal frameworks leave workers dangerously exposed; only a binding directive can close the gaps. (Nur Englisch)